Als der Glockenspruch nach 78 Jahren wieder erklang


Krautscheid - Mehr als 30 Besucherinnen und Besucher konnte das Organisationsteam mit Marlies Pütz, Dagmar Thome, Heike Loscheider, Silvia Grün, Michael Fischer und Pfarrer Georg Josef Müller zur Andacht der Reihe „Kultur in der Kapelle“ in der St.-Valentin-Kapelle begrüßen. Seit 2019 wird das Projekt auch in der Westeifel durchgeführt. Nach Stationen in Krautscheid-Bellscheid, Oberpierscheid, Wawern, Dingdorf und Dackscheid war nun die seit 795 Jahren bekundete Kapelle in Krautscheid Gastgeber der besonderen Veranstaltung.
In der Begrüßung erinnerte Michael Fischer, ehrenamtlicher Leiter des Bildungswerks Waxweiler der KEB, an das Anliegen des Projekts. „Das gewachsene spirituelle und kulturelle Erbe der Dörfer soll bewahrt und neu erlebbar gemacht werden. Insbesondere wollen wir die kleinen Kapellen wieder stärker ins Bewusstsein rücken, Orte der Begegnung zu sein und Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander zu verbinden.“
Einen Schwerpunkt bildete die Geschichte der Kapelle, die im Jahr 1231 erstmals urkundlich erwähnt wird. Die heutige Chorturmkapelle mit ihrem gotischen Kreuzgewölbe entstand gegen Ende des 14. Jahrhunderts und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach renoviert. Die Besucherinnen und Besucher erhielten interessante Einblicke zum Altar und zur Ausstattung. Das Altarbild zeigt die Verheißung des Heiligsten Herzens an Margareta Maria Alacoque und ist, wie die 14 Kreuzwegstationen, vom Trierer Kirchenmaler Johann Scharding 1908 geschaffen.

Die ursprüngliche Glocke musste für Kriegszwecke 1942 abgeliefert werden. Nach einer Übergangszeit mit einer Stahlglocke konnte 1948 eine neue Bronzeglocke angeschafft und feierlich eingesegnet werden. Einen emotionalen Höhepunkt der Andacht schaffte die damalige Glockenpatin Maria Barthel, geborene Winandy. Die 90-jährige Seniorin trug den Glockenspruch, den sie bereits als 13-jähriges Mädchen bei der Glockenweihe vor 78 Jahren gesprochen hatte, nochmals auswendig vor. Dieses sowie der historische Wortlaut, der eine eindrucksvolle Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlug, berührte die Anwesenden so sehr, dass sie der Seniorin spontanen Beifall zollten.
Neben modernen Meditationstexten und Fürbitten wurde die Andacht musikalisch mit einem besinnlichen Instrumentalstück von Schülerin Ariane Breuer auf der Querflöte sowie gemeinsam gesungenen geistlichen Liedern gestaltet, die Pfarrer Müller auf der Gitarre begleitete. Er spendete zum Abschluss auch den Segen.
Das anschließende Beisammensein in der Kapelle nutzten die vielen Gäste als Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Das Organisationsteam dankte allen Mitwirkenden und besonders Maria Keilen-Weires für die Herrichtung der Schnittchen. Die gelungene Veranstaltung machte einmal mehr deutlich, welch wertvolle Orte die kleinen Dorfkapellen bis heute sind – als Zeugnisse der Geschichte, des Glaubens und einer lebendigen Gemeinschaft.
