40 Jahre Geschichten aus dem Leben

Seniorenaufsatzveranstaltung der KEB Saar-Hochwald würdigt Lebenserfahrung der älteren Generation
Saarlouis – Hilfsbereitschaft zeigt sich oft in kleinen Gesten: im nachbarschaftlichen Miteinander, in spontaner Unterstützung oder im aufmerksamen Zuhören. Sie wird besonders in herausfordernden Momenten sichtbar, wenn Menschen zusammenstehen und einander unbürokratisch helfen: Die vielfältigen Formen der Hilfsbereitschaft spiegelten sich in den Beiträgen der 25 Seniorinnen und Senioren im Alter von 55 bis 90 Jahren wider, die bei der 40. Aufsatzveranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung Saar-Hochwald (KEB) teilgenommen haben. In diesem Jahr lautete das Thema „Von Herzen helfen – Geschichten der Hilfsbereitschaft“. Im Rahmen einer Feierstunde in den Räumen der Katholischen Familienbildungsstätte erhielten am 19. Mai die 19 Frauen und 6 Männer als Dankeschön den gebundenen Aufsatzband sowie ein kleines Buch.
„40 Jahre sind für ein Bildungsformat eine beeindruckend lange Zeitspanne“, sagte die Leiterin der KEB Saar-Hochwald, Anne Schuler. Über 1.450 Personen haben in den vergangenen Jahrzehnten an der Seniorenaufsatzveranstaltung teilgenommen. Diese wurde 1986 vom damaligen Bildungsreferenten Georg Hasenmüller als Schreibwettbewerb für Menschen ab 60 Jahren ins Leben gerufen. „Eine Jury bewertete die Beiträge und nur die zehn besten kamen in den Aufsatzband“, berichtete Schuler. Das Format entwickelte sein Nachfolger Hans-Joachim Maurer weiter. Seitdem steht nicht mehr der Wettbewerb im Vordergrund, sondern das Erinnern, Erzählen und Teilen von Lebensgeschichten – und alle Beiträge kommen in den Aufsatzband. „Die Seniorenaufsatzveranstaltung leistet einen wichtigen Beitrag für Gesellschaft und Erinnerungskultur“, zeigte sich Schuler überzeugt. Die Texte bewahrten die Lebensgeschichten und Erfahrungen und dokumentierten die Zeitgeschichte aus persönlicher Perspektive. „Die Themen mögen sich verändern, aber es ist jedes Mal eine beeindruckende Vielfalt an Lebenserinnerungen“, sagte Schuler.
Die Gäste der Feierstunde konnten sich davon selbst überzeugen und in fast allen Aufsatzbänden schmökern. „Leider war der Band von 1986 nicht mehr auffindbar“, bedauerte Schuler. Die Aufsatzthemen der zurückliegenden Jahre reichten von persönlichen Erinnerungen über Zeitgeschichte bis hin zu gesellschaftlichen Fragen. Den Auftakt machte 1986 das Thema „Ein Märchen aus meiner Feder“, politischer wurde es 1988 mit der Aufgabe „Was ich mit Juden erlebte“. Ein für Saarländer emotionales Thema war 1997 „Wie ich die Saarabstimmungen 1935 und/oder 1955 erlebte“. Auch Lebenswege wie die Berufswahl oder prägende Menschen und Beziehungen brachten die Seniorinnen und Senioren in Aufsatzform zu Papier.
Seit 22 Jahren nimmt Monika Ziegler an der Aufsatzveranstaltung teil. „Ich stelle mich jedem Thema, eine Schreibblockade kenne ich zum Glück nicht“, sagt die 82-Jährige aus Hüttersdorf. In ihrem Aufsatz erzählt sie, wie sie einst ihrem griesgrämigen Nachbarn nach dessen Sturz im Garten half – und wie sich ihr Verhältnis dadurch schlagartig besserte „Von da an genoss ich Johanns Verwandlung: stets gut gelaunt, liebenswert, mich zuerst grüßend, und stets auf ein paar Gesprächsfetzen hoffend, wenn er mich sah.“ Vor zwei Jahren erhielten sie und ihre Tochter selbst große Hilfe, als sich bei einem Unfall ihr Auto mehrfach überschlug. „Durch die spontane Hilfe der jungen Passanten wurde unser Leben gerettet“, ist sie noch heute dankbar.
Ein großes Geschenk
„In jedem Text steckt unglaublich viel Lebenserfahrung, die Sie mit uns teilen. Das ist ein großes Geschenk“, würdigte Thomas Berenz, Leiter Team Erwachsenen- und Familienbildung im Bischöflichen Generalvikariat Trier, die Teilnehmenden. Die Zahl 40 finde sich oft in der Bibel, so dauerte etwa die Sintflut 40 Tage, Jesus wanderte 40 Tage durch die Wüste, 40 Tage nach Ostern feiern Christen Christi Himmelfahrt. „So wünsche ich auch der Seniorenaufsatzveranstaltung mindestens weitere 40 Jahre und Ihnen den Mut, sich des neuen Themas anzunehmen“, rief er den Autorinnen und Autoren zu.
„Alle Geschichten zeigen uns eines ganz deutlich: Hilfsbereitschaft ist nicht nur eine große Tat. Sie ist ein Blick. Ein Wort. Eine Entscheidung. Sie passiert im Alltag, im Verborgenen, manchmal sogar ohne Dank. Aber sie wirkt – immer“, sagte Isabell Valentin von der Schreibwerkstatt Bous, die gemeinsam mit Anne Schuler und Sylvia Simon das Aufsatzgremium der KEB bildet, das die eingereichten Beiträge sichtet. Dass es die kleinen Taten sind, die unsere Welt ein Stück menschlicher machen, brachte Werne Thöne in seinem Aufsatz auf den Punkt: „Wir Saarländer sind in Sachen Helfen zumindest Saarlandmeister. Braucht man etwas oder muss etwas gemacht werden, was man selbst nicht hinkriegt, gibt es doch jemanden, der einen kennt, der sowas kann, oder jemanden kennt, der das hat, was man gerade braucht. Und jedem ist geholfen. Gibt es ein schöneres Glücksgefühl?“
Info: Das Thema der 41. Seniorenaufsatzveranstaltung 2026/2027 lautet: „Worüber ich schon immer mal gerne schreiben würde!“. Menschen ab 55 Jahren sind aufgefordert, Beiträge zu diesem Motto einzureichen. Nähere Informationen bei der Katholischen Erwachsenenbildung Saar-Hochwald, Ludwig-Karl-Balzer-Allee 3, 66740 Saarlouis, Tel. 06831-769744, E-Mail: keb-saar-hochwald@bistum-trier.de
