Schwester Maria Hlupic sprach beim Theo-Talk über benediktinische Erwachsenenbildung

Der Theo-Talk, das seit 2018 bestehende Gesprächsformat der Katholischen Erwachsenenbildung Trier, bei dem einmal im Monat ein theologisches, gesellschaftspolitisches oder kulturelles Thema zunächst von einem Fachmann oder einer Fachfrau vorgestellt und danach in entspannter Runde diskutiert wird, ist nach der Sommerpause am gestrigen Mittwochabend in die Vortragsserie des zweiten Halbjahres gestartet. Dr. Samuel Acloque, Professor für Katechetik und Didaktik des Religionsunterrichts in Köln und gemeinsam mit Katharina Zey-Wortmann, Leiterin der KEB-Fachstelle Trier, Organisator des Theo-Talks, begrüßte das Publikum mit dem augenzwinkernden Hinweis, dass der erste Theo-Talk nach der Sommerpause erfahrungsgemäß „meistens ein bisschen träge“ sei, weil „die Leute sich erst noch daran gewöhnen müssen, dass der Theo-Talk wieder stattfindet“.
Nichtsdestotrotz hatte sich eine interessierte Besuchergruppe im Veranstaltungsraum der Kegel- und Bowlinghalle Trier-Heiligkreuz versammelt, um den Vortrag von Schwester Maria Hlupic von den Kölner Benediktinerinnen zum Thema benediktinische Erwachsenenbildung zu hören und mit der jungen Ordensfrau und Sozialpädagogin ins Gespräch zu kommen. Vor einigen Monaten, so berichtete Acloque, sei er bei der Recherche in der Bibliothek des Priesterseminars in der Zeitschrift „Erwachsenenbildung“ auf einen Beitrag von Schwester Maria Hlupic zum Thema benediktinische Erwachsenenbildung gestoßen und war so begeistert, dass er umgehend Kontakt mit der Nonne aufnahm. Grund dafür sei auch gewesen, dass Trier eine Stadt ist, „die durch und durch benediktinisch geprägt ist“. Acloque verwies auf die vier großen Benediktinerabteien St. Maria ad Martyres, St. Martin, St. Maximin und die heute noch bestehende Abtei St. Matthias sowie das Kloster der Benediktinerinnen in Kürenz.
Die katholische Erwachsenenbildung und ihre Herausforderungen
Schwester Maria führte aus, dass sie über das Studium der sozialen Arbeit zur Erwachsenenbildung gekommen „und dann ein bisschen hängengeblieben“ sei. Noch während des Studiums machte sie eine Fortbildung, um Kurse im Bereich der Erwachsenenbildung halten zu können, v. a. über die benediktinische Spiritualität. Am Ende des Studiums absolvierte sie ein Praxissemester in einer Bildungseinrichtung des Erzbistums Köln, der ihren Blick für die mit der Materie verbundenen Problemstellungen schärfte. „Immer, wenn man von außen kommt, hat man einen ungetrübten Blick und sieht auch schnell, was nicht so gut läuft oder verbesserungswürdig ist“, so Schwester Maria. Die katholische Erwachsenenbildung im Erzbistum Köln und andernorts durchlaufe gegenwärtig zahlreiche Veränderungen, die auch mit Spannungen verbunden seien. Dazu gehörten interne Herausforderungen wie Sparmaßnahmen und die Reduktion bestimmter Bildungsbereiche, etwa der Mädchenarbeit, aber auch externe Herausforderungen, z. B. die starke Nachfrage nach Deutschkursen für Migranten.
Das Miterleben dieser Spannungen habe sie zu der Frage geführt, was eigentlich im Kern der Auftrag der katholischen Erwachsenenbildung sei: „Warum machen wir eigentlich das, was wir machen — und wie machen wir es?“ Klarheit über den Auftrag, so die Ordensfrau, sei „wie ein Anker“. Das gelte im Grunde für alle Lebensbereiche. Im Rahmen dieser Fragestellung sei ihr aufgefallen, dass bspw. Anfragen von Interessierten nach Kursen zum Thema Gebet auch in Einrichtungen der katholischen Erwachsenenbildung eher selten seien, wenngleich es bei den Angeboten von Klöstern etwas anders aussehe. In der Einrichtung, in der sie tätig war, wurden eher Eltern-Kind- und Malkurse nachgefragt.
An der Schnittstelle von Evangelium und Gesellschaft
Bei dem Versuch, Antworten auf die Fragen zu finden, die sich aus diesen Problemstellungen ergeben, sei die Ordensregel der Benediktiner, die Regel des Heiligen Benedikt, ihre Quelle gewesen. Dabei sei zu bedenken, dass die benediktinischen Klöster, die in der Regel wurzeln, sich im Laufe der langen, bis ins 6. Jahrhundert zurückreichenden Tradition des Ordens immer wieder gewandelt haben: „Das benediktinische Kloster hat es geschafft, sich immer wieder an die jeweilige Zeit anzupassen und gleichzeitig seinen Auftrag fruchtbar zu machen.“
Schwester Maria stellte das breite Spektrum der Erwachsenenbildung in Deutschland dar, das weit über den konfessionellen Bereich hinausreicht. Die insgesamt rund 19.500 Anbieter lassen sich in vier Kategorien unterteilen: Neben dem Staat als Weiterbildungsanbieter, z.B. durch die Volkshochschulen, stehen Gemeinschaften wie Kirchen und Berufsverbände, kommerzielle Anbieter und schließlich Unternehmen, die betriebliche Weiterbildung fördern oder organisieren. „Die Landschaft ist sehr plural“, fasste die Benediktinerin zusammen. Diese Pluralität hängt damit zusammen, dass die Erwachsenenbildung nicht der staatlichen Anerkennung bedarf, auch wenn der Staat über Gesetze und Verordnungen einen gewissen Rahmen setzt. Die staatliche Anerkennung habe Vor- und Nachteile, sagte Schwester Maria: So könne die Anerkennung Vorteile finanzieller Art bringen, die es erlauben, Kurse günstig anzubieten; andererseits ist eine Institution mit staatlicher Anerkennung stets auch an Ziele gebunden, die der Staat formuliert und somit weniger frei, etwa was die Gestaltung des Kursprogramms angeht. Ganz generell institutionalisiere und ökonomisiere die staatliche Anerkennung die Bildungsarbeit.
Eine kirchliche Grundlegung der Bildungsarbeit erfolgte mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Hier ist die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ einschlägig, wie Schwester Maria ausführte: „Sie stellt heraus, dass die Bildungsarbeit, die wir als Kirche machen, im Selbstverständnis der Kirche wurzelt.“ Zentral sei „die enge Verbundenheit der Kirche mit allen Menschen“. Die Kirche stehe somit „an einer Schnittstelle, nämlich der Gesellschaft, der sie ihre Botschaft bringen will, und der Heilsbotschaft, die sie qua göttlicher Offenbarung empfangen hat.“ Durch die im vierten Kapitel des ersten Johannesbriefs ausgesprochene Bestimmung Gottes als die Liebe stehe die Kirche an dieser Schnittstelle. Dementsprechend leiste die katholische Erwachsenenbildung „einen Dienst und Beitrag am Menschen und an der Gesellschaft.“ Sie vertrete dabei das christliche Menschenbild, „nämlich die Einsicht in die hohe Berufung des Menschen, dass der Mensch verwiesen ist auf Gott, dass wir letztlich in unserem Leben, in unserem Arbeiten, in unserem Tun immer unterwegs sind zu diesem einen Ziel, zu Gott“. Die katholische Erwachsenenbildung begleite Menschen auf diesem Weg.
Indem die katholische Erwachsenenbildung aber an der beschriebenen Schnittstelle stehe, empfange sie zugleich auch ihren Auftrag von der Gesellschaft und deren Bedürfnissen, so dass man von einem doppelten Auftrag sprechen könne, aus dem sich ein ständiger Dialog sowohl mit der Kirche wie auch mit der Gesellschaft ergebe. Dieser doppelte Auftrag und Dialog führe immer wieder zu Spannungen bei ganz praktischen Dingen, etwa Stellenausschreibungen oder der Gestaltung von Kursangeboten, namentlich der Frage, wie stark im engeren Sinne religiöse Themata, für die es bisweilen an Interessierten fehle, im Kursangebot vertreten sein müssen. Ein christliches Leitbild, um mit diesen Spannungen umzugehen, könne die Perikope der Fußwaschung aus dem Johannesevangelium bieten, die einen Jesus zeige, „der mit dem Herzen dem Himmel verbunden ist, aber mit den Händen der Welt dient.“
Die Regel des Heiligen Benedikt als Inspirationsquelle
Schwester Maria gab einen Abriss der Vita des Ordensgründers und strich dabei den pragmatischen Charakter der Ordensregel heraus. Die Regel des Heiligen Benedikt enthalte Ressourcen zur Gestaltung von Veränderungsprozessen, die sich anhand der Kategorien „Tradition mit Realitätsblick“ und „Faktoren stabiler Flexibilität“ unterteilen lassen. Das erste meine die Fähigkeit, Kontinuität zu schätzen und dabei offen zu bleiben für die gegebenen Umstände. Das zweite beziehe sich u. a. auf die Gemeinschaft als Ressource, denn der geistliche Auftrag verwirkliche sich in der Gemeinschaft, in der das Verhältnis von Tradition und Offenheit immer wieder neu ausgehandelt werde.
Mit Blick auf die Erwachsenenbildung lege sie Wert darauf, dass der Ordensgründer den Menschen als Ziel des Handelns sehe, erklärte Schwester Maria. Veränderungsprozesse könnten nur sinnvoll gestaltet werden, wenn man dies praktiziere. „Die wirkliche Veränderung passiert im Miteinander, im Untereinander.“ Ein pragmatischer Ansatz könne zudem darin bestehen, die Komplexität zu reduzieren und sich nicht durch ein zu großes Angebotsspektrum zu überfordern. „Wir sind katholisch, also allumfassend — das heißt aber nicht, dass wir alles machen müssen.“
Acloque lobte im Anschluss die Sachkenntnis der Referentin, die mit einem großen Herzen für den Heiligen Benedikt und seine Lehre einhergehe: „Das beides zusammenzubringen und fruchtbar zu machen für eine Institution, der wir als KEB auch angehören, finde ich sehr spannend.“ Auch bei der Konzeption des Theo-Talks gebe es vergleichsweise wenige Rückmeldungen, die sich mehr kirchlich-spirituelle Themata im engeren Sinne wünschten, obwohl es ja sehr wohl möglich sei, fromm, aber nicht frömmelnd zu sein. Schwester Marias Vortrag habe dies gezeigt, indem er „die Schönheit des Katholischen im besten Sinne für das religionspädagogische Anliegen der Erwachsenenbildung fruchtbar gemacht hat.“
In der anschließenden Diskussionsrunde sagte Schwester Maria auf die Frage, ob man das spezifisch Benediktinische der benediktinischen Erwachsenenbildung konkretisieren könne, dass jedes Kloster der benediktinischen Tradition autonom sei. Es komme sehr auf die vor Ort vorhanden Ressourcen an: „Ist eine Schwester da, die ein Besinnungswochenende machen kann? Die Mitmachtage machen kann?“ Es komme stets „sehr auf das Charisma des Ortes an“. Dabei spielten auch ganz praktische Aspekte eine Rolle. So biete ihr Kloster etwa keine Gruppenexerzitien an, weil der Gastbereich nicht groß genug sei. Sie fügte hinzu, dass ihre klösterliche Lebensform keinen äußerlichen Zweck verfolge: „Ich verdiene damit kein Geld. Ich bin einfach im Kloster.“ Wer in der Erwachsenenbildung außerhalb des Klosters arbeite, müsse einen inneren Wertekanon in sich finden. „Bei uns im Kloster ist der Wertekanon mit der Institution stets kongruent. Weil wir alle da sind. Weil wir Gott lieben.“ Außerhalb des Klosters sei das schwieriger, weil die Bildungsarbeit einen Zweck verfolge und das auch müsse.
Nach der Übergabe eines Präsentes an die Referentin setzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gespräche bei einem gemeinsamen Abendessen in gemütlicher Runde fort.
Eine Übersicht über das weitere Programm des Theo-Talks findet sich hier.
